Solidarität mit den Ahmaddiyya

Husum – Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit wurde der Rohbau der Ahmaddya-Gemeinde beschädigt: Mit roher Gewalt, wahrscheinlich sogar mit einem Geschoss, zielten unbekannte Täter auf Türen und Fenster der Moschee. Und niemand mag mehr so recht an einen Zufall glauben: Der Bau liegt draußen im Industriegebiet Husums. Da kommen nicht mal so eben Betrunkene vorbei und machen was kaputt, weil sie da grade Bock drauf haben. Da hat sich jemand mit Absicht auf den Weg gemacht, diese Gewalttat ist ein gezielter Anschlag auf die nordfriesischen Muslime.

„Nein, Angst haben wir nicht“, sagte Imam Hasib Ghaman, „aber ein bisschen mulmig fühlt es sich doch an.“ Um ihre Solidarität mit der Gemeinde zu zeigen waren Landrat Florian Lorenzen und Propst Jürgen Jessen-Thiesen zur Baustelle gekommen und besahen sich die Schäden. Verstärkt wurde die Unruhe durch einen Störfall beim digitalen Bürgerdialog: Da kaperten Unbekannte den Bildschirm und zeigten Nazi-Embleme verbunden mit pornografischen Elementen. Kleinere Zwischenfälle während der Bauzeit kommen wieder hoch. Jetzt organisieren die Ahmaddiyya Wachdienste bei der Moschee und ziehen einen Zaun in der Hoffnung, dass das die Aggressoren abschreckt. „Wir suchen immer den Dialog“, sagte Hasib Ghaman, „wir möchten mit den Menschen reden. Und viele Ängste können wir zerstreuen.“ So zum Beispiel denke niemand aus der Gemeinde an eine Islamisierung Deutschlands, man wolle einfach nur in Frieden den muslimischen Glauben leben.

Ausdrücklich dankte der Landrat den Ahmaddiyya für ihre Unterstützung in der Corona-Krise, und auch der Propst hob das gute Miteinander hervor. „Wenn Sie Unterstützung brauchen, melden Sie sich gerne. Wir stehen uneingeschränkt an Ihrer Seite“, sagte er.

Die Ahmaddiyya gibt es seit 1985 in Nordfriesland. Sie hatten seitdem ihr Gemeindezentrum schon an verschiedenen Orten, und immer habe es ein gutes Miteinander gegeben. Die Gemeinde zählt etwa 150 Mitglieder, viele sind erfolgreiche Unternehmer, und beharrlich machen sie deutlich, dass sie sich als Teil der deutschen Gesellschaft verstehen und gerne zu ihrer Gestaltung beitragen. „Wir dürfen uns nicht auseinandertreiben lassen“, sagt der Imam.

Bischof Magaard besucht die Tafel

Husum – Zu einer Stippvisite kehrte Gothart Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein, bei der Husumer Tafel ein und ließ es sich nicht nehmen, selber auch Waren auszugeben und den Kontakt mit den Kundinnen und Kunden zu suchen.

„Ich freue mich, dass ich beim Besuch der Husumer Tafel einen Einblick in diese wertvolle Arbeit erhalten konnte“, sagt er. „Wie gut, dass es diese Menschen gibt, die ehrenamtlich viele Stunden investieren, um Lebensmittel, die sonst weggeworfen würden, einzusammeln, zu sortieren und an andere, bedürftige Menschen auszuteilen.“ Gefreut habe er sich auch über die von Freundlichkeit und Wertschätzung getragene Atmosphäre. Es gebe zu den Lebensmitteln noch ein „Mehr“– ein Mehr an Zuwendung, freundlichem Austausch und Gemeinschaftsgefühl.

Der Besuch bei der Husumer Tafel war für den Bischof eine Art Heimspiel. Denn coronabedingt findet die Ausgabe mittwochs und freitags seit 2020 in einer Kirche, der Husumer Friedenskirche, statt: Im Altarraum scheint Licht durch das große Glaskreuz, die Orgel scheint dem Treiben zuzusehen und von der Kanzel wird in diesen Stunden zwar nicht mit Worten gepredigt, und doch steht sie da und erzählt still von der Liebe Gottes zu den Menschen. „Das Miteinander hat sich bewährt“, so Pastor Andreas Raabe, Vorsitzender des Kirchengemeinderats. „Kirche und Tafel passen gut zusammen, die tätige Nächstenliebe der Mitarbeitenden hat hier einen guten Ort.“

Husumer Horizonte sind ökofair

Husum – Die Husumer Horizonte, unsere Wohn-Einrichtung für Menschen mit Behinderungen, machen ernst: Schon im November 2019 erhielten sie ihr Zertifikat für Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ), nun wurden sie darüber hinaus auch als ökofaire Einrichtung ausgezeichnet. Die Initiative dazu ging von Verwaltungsmitarbeiterin Alexandra Wohlgemuth und Anna-Lena Hansen, stellv. Hauswirtschaftsleitung, aus.

„Wir sind durch die GWÖ-Zertifizierung eh im Prozess“, sagt Alexandra Wohlgemuth, „da wollten wir uns um das  Öko-Fair-Siegel  auch gerne bewerben.“ Die Gemeinwohl-Ökonomie ist ein alternatives Wirtschaftsmodell, das nicht auf maximalen Gewinn aus ist, sondern auf maximales Gemeinwohl. Dabei spielen Partizipation, Menschenwürde, Nachhaltigkeit, Lieferketten und Finanzpartner eine Rolle. Für die Öko-Fair-Zertifizierung mussten Alexandra Wohlgemuth und Anna-Lena Hansen ins Detail gehen. 30 Punkte untersuchten sie gemeinsam mit Klimaschutz-Manager Matthias Marx und Ökumene-Referent Karsten Wolff. Dabei ging es um Veranstaltungen und Bewirtung, um Reinigungsmittel und Textilien, Büro-Ausstattung, Energie und vieles mehr. „Manches hatten wir  schon realisiert, in anderen Punkten sind wir einen Schritt weitergekommen“, so Wohlgemuth. So werden zum Beispiel zertifizierte Büro-Artikel nicht mehr übers Internet bezogen, sondern vor Ort gekauft. Bettwäsche und Berufskleidung bezieht die Einrichtung von einem der anerkannten Label. Außerdem nehmen die Husumer Horizonte am Flottenaustausch-Programm des Bundes teil und stellen ihre Fahrzeuge auf E-Mobilität um.

Bei den Reinigungsmitteln achtet Anna-Lena Hansen darauf, dass sie das ECO-Label führen. Im Einkauf bemüht sie sich um regionale und saisonale Produkte und behält dabei gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit im Blick. „Man muss sich schon damit beschäftigen“, sagt sie, „wobei es in der Zusammenarbeit auch Spaß macht.“ Kaffee wird Faire Trade gekauft und Tee in Bio-Qualität beschafft.

Zur Verleihung war auch Propst Jürgen Jessen-Thiesen gekommen. „Die Husumer Horizonte haben eine Vorbildfunktion innerhalb und außerhalb der Kirche“, sagt er. „Ihr Beispiel wird Schule machen und ein positives Signal in die Gesellschaft senden.“ Es gehe darum, nicht nur zu reden, sondern sich aktiv für Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit einzusetzen. „Wir sind sehr stolz, dass es diese Einrichtung gibt.“ Auch Einrichtungsleiter Hans Pahl-Christiansen freute sich über die Auszeichnung: „Die Öko-Fair-Zertifizierung ist ein Instrument, mit dem man echt anpacken und konkret werden kann.“

Ein Instrument gegen die Angst

Breklum – Mit einer Orgel ist es bisweilen seltsam: Wenn sie weg ist, merkt man erst, wie sehr sie fehlt. Sechs Monate war die Marcussen-Orgel zur Reparatur in Kiel, auf der Empore klaffte ein Loch und in den Gottesdiensten und Amtshandlungen musste sich die Gemeinde anders behelfen. Nun ist sie wieder zuhause und klingt schöner als je. Sie wurde nicht nur gereinigt, vom Schimmelpilz befreit und generalüberholt, sie hat auch einen Teil ihres originalen Klangs zurückerhalten.

Das ist unter anderem dem Kirchbau-Verein zu verdanken, dessen Vorsitzender Carsten Thoroe ist. Er erzählte beim Gottesdienst zur Wieder-Einweihung stolz und dankbar vom Werdegang.  Bereits 2016 habe man Fachleute um Stellungnahmen gebeten. Sowohl Kirchenkreis-Kantor Kai Krakenberg als auch Orgelbau-Sachverständiger Hans-Martin Petersen von der Nordkirche empfahlen zugleich mit der Restaurierung eine Dispositionsveränderung. 1969 hatte man das ursprüngliche, eher frühromantische Klangbild dem modernen neobarocken Ideal angepasst und damit der Orgel aus dem Jahr 1857 nicht gutgetan, befanden die Experten.

Mit etwas Glück und viel Fleiß konnte die Restaurierung in Auftrag gegeben werden: Die Orgelbau-Firma Paschen in Kiel hatte noch ein Original-Register aus dem Jahr 1870 liegen, das konnte sie günstiger abgeben. Der Kirchbau-Verein beantragte Zuschuss beim Bund, beim Land, bei der Nordkirche, bei der Stiftung Caroline Petersensche Lehen und bei der Stiftung Orgelklang – und alle Anträge wurden positiv beschieden. Hinzu kam das Engagement der Gemeinde, rund 40000 Euro kostete das Unternehmen, und glücklich gaben die Organisten Jürgen Henschen und Beate Möller-Olschowka beim Gottesdienst Kostproben des neuen Klangs.

„Die Orgel ist ein Instrument gegen die Angst“, sagte Pastorin Nora Steen in ihrer Predigt. „Sie gibt uns Ton und Grund, sie befähigt uns zum Singen, und wer singt, kann sich nicht fürchten“, sagte sie.

Escape! Wer findet den biblischen Mörder?

Sex and Crime – das ist der Stoff, aus dem ein guter Krimi besteht. Für einen packenden Film braucht es eine packende Liebesgeschichte, einen handfesten Konflikt und natürlich eine schöne Leiche. „Kein Mensch würde sowas in der Bibel vermuten“, sagt Susanne Kunsmann vom Evangelischen Kinder- und Jugendbüro Nordfriesland (EKJB) und lacht verschwörerisch. Sie hat sich mit ihrer Kollegin Anna Ihme auf die Spur einer fast 3000 Jahre alten Erzählung gemacht und sie in ein neues Kleid gegossen. Herausgekommen ist ein Escape-Spiel, das beim EKJB bestellt werden kann.

Auf den ersten Blick wirkt es harmlos: Ein dunkler A4-Umschlag mit einem QR-Code. Aber da beginnt schon das Spiel. Denn beim Escape folgt man jedem Hinweis, und hinter dem Hinweis verbirgt sich ein weiterer, der unter Umständen in die Irre, vielleicht aber auch zum Ziel führt. Der QR-Code leitet zu einem kleinen Film, der das Spiel erklärt. Im Umschlag ist Material. Zum Beispiel ein Ehering, die Visitenkarte einer Ärztin, eine Todesanzeige und eine Ernennungsurkunde – je tiefer man gräbt, desto mehr Fakten zur Geschichte erhält man. Und langsam fügt sich eins zum anderen, bis der wahre Mörder des biblischen Krimi enttarnt wird.

Eine knappe Stunde dauert es, das Rätsel zu lösen. „Aber es ist echt schwer“, sagt Anna Ihme, „das schaffen nicht viele!“ Damit stachelt sie natürlich den Ehrgeiz nur noch an. Gedacht ist das Spiel für Jugendliche ab 13, drei bis fünf Spieler pro Gruppe sind optimal. Das EKJB verschickt es an vorrangig an Konfirmandengruppen. Aber auch Familien, Pfadfinder oder Jugendfeuerwehren können es kostenlos bekommen, wenn sie eine Mail an info@ekjb-nf.de schreiben oder im Büro unter 04661/1462 anrufen. „Die Bibel ist nicht langweilig“, sagt Susanne Kunsmann, „da sind so coole Geschichten drin!“ Und dann hat sie schon wieder diesen Verschwörerblick, dem man unbedingt auf den Grund gehen muss.

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

„Hinneh mah tov umah na’im shevet Achim Gam Yachad“ – aus dem 133. Psalm stammt die Hymne, mit dem Jüdinnen und Juden traditionell ihren Schabatt einleiten. „Siehe, wie gut und schön ist es, wenn Brüder miteinander in Eintracht wohnen.“ Diesen Vers stellte Maria Jepsen, Bischöfin i. R. in die Mitte ihrer Ansprache zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar. Mehr als hundert Menschen hatten sich um die Friedenseiche in der Süderstraße versammelt und setzten gemeinsam und einträchtig ein Zeichen für Freiheit und Frieden.

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Vernichtungslager Ausschwitz-Birkenau. Mehr als 1 Millionen Menschen, überwiegend Jüdinnen und Juden, Männer, Frauen und Kinder wurden hier systematisch ermordet. Die Bilder gingen um die Welt und lösten Scham und Entsetzen aus. Seit 1996 ist dieser Tag als Gedenktag gesetzlich verankert. Seit vielen Jahren lädt der Kreis Nordfriesland an diesem Tag in seine Räume ein, das musste nun schon zum zweiten Mal wegen der Pandemie ausfallen. Umso mehr freue er sich, so zweiter stellvertretender Landrat Carsten Sörensen, über die Initiative der Kirche, eine Veranstaltung unter freiem Himmel anzubieten.

Schon Pastor Friedemann Magaard, der in seiner Ausführung über den Wert der Freiheit sprach, hatte sich deutlich von Gegenwartsbewegungen abgesetzt, sie sich in der Ablehnung der Corona-Politik mit Holocaust-Opfern vergleichen. „Das geht gar nicht“, sagte er nachdrücklich. Und auch Sörensen deutete dieses Verhalten als eine unbotmäßige Geschichtsvergessenheit, der zu wehren sei.

Der Ort in der Husumer Süderstraße war mit Bedacht gewählt. Direkt gegenüber der Friedenseiche aus dem Jahr 1871 ist eine Stolperschwelle in den Bürgersteig eingelassen, die an die Gefangenen des KZ-Schwesings erinnert. Hier entlang wurden sie getrieben, um den politisch unsinnigen Friesenwall zu errichten. Ihren elenden Zustand hatte jeder sehen können – die Bischöfin mahnte angesichts dieser Erinnerung zu Anständigkeit und Zivilcourage.

Info: Der Lyrik-Podcast „Seelenfutter“ von Friedemann Magaard und Susanne Garsoffky beschäftigt sich in seiner 97. Folge ebenfalls mit dem Thema. Zu Gast ist Kirsten Fehrs, stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche und Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck. Gemeinsam sprechen sie über Gedichte, die im Zusammenhang mit der Judenverfolgung stehen.

Hier geht es zum Podcast.

Gemeinsam geht es besser

„Gemeinsam geht es besser“ – diese Erfahrung macht man in Eiderstedt-Mitte schon seit Jahren. Die Kirchengemeinden Garding, Heverbund, Tetenbüll-Katharinenheerd und Welt-Vollerwiek organisieren schon lange zusammen im Achthein ihren Gemeindebrief. Die beiden Pastoren Ralf-Thomas Knippenberg und Jörg Reglinski versorgen den Gottesdienst in den insgesamt acht historischen Kirchen, im gemeinsamen Kirchenbüro in Garding antwortet Inke Schauer kompetent auf alle Fragen. Konfirmandenarbeit, die Kirchenmusik mit Elisabeth Weißenberger und die Pfadfinder – gemeinsam geht es einfach besser, da sind sich alle einig. Und so war es für die vier Kirchengemeinden folgerichtig, sich nun auch formell zur einen „Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Eiderstedt-Mitte“ zusammenzuschließen.

Beim Fusionsgottesdienst in der Gardinger Kirche St. Christian hob Propst Jürgen Jessen-Thiesen die langjährige, gute Zusammenarbeit hervor. Der neue Kirchengemeinderat (KGR) wurde feierlich in sein Amt eingeführt, er besteht jetzt aus 21 Mitgliedern, dazu kommen die beiden Pastoren, die per Amt ihren Sitz im Gremium haben. Jetzt gilt es, die Arbeit, aber auch die Kirchenwahl im Advent 2022 so zu organisieren, dass jede der nunmehr aufgelösten Altgemeinden sich gut vertreten fühlt, erklärt Ute Böttcher. Sie wurde in der konstituierenden Sitzung des neuen KGR zur zweiten Stellvertreterin gewählt. Erster Stellvertreter ist Uwe Franzen, den Vorsitz übernimmt Pastor Ralf-Thomas Knippenberg.

Für die Gemeinden wird sich zunächst gar nicht so viel verändern: Die Seelsorger bleiben ja, und deren Gemeindebezirke bleiben dieselben. Konfirmanden-, Pfadfinder- und musikalische Arbeit, das bleibt ja alles, wie es gewesen ist. Selbst an den Titel „Eiderstedt-Mitte“ hat man sich längst gewöhnt. „Das finde ich auch ganz gut“, sagt Ute Böttcher, vormals Kirchengemeinde Heverbund, „so müssen sich die Gemeindeglieder nicht so doll umgewöhnen.“ Auf die Arbeit in der frisch fusionierten Kirchengemeinde freut sie sich und bleibt auch weiterhin gerne für die Bauangelegenheiten verantwortlich. „Beim Fusionsfest hatte man das Gefühl, dass alle nun auch gerne loslegen wollen“, erzählt sie. „Jeder möchte seinen Beitrag leisten, dass es gelingt und dass es gut wird.“

Foto: Herbert Müllerchen, vielen Dank!

Interreligiöse Gastfreundschaft

So sieht es seit einigen Monaten immer freitags im Gemeindehaus St. Marien aus: Ein Woll-Faden ist in einem ungewöhnlichen Winkel quer durch den Raum gespannt. An ihm entlang – nämlich in Richtung Mekka –  legen Männer sorgfältig kleine Teppiche aus, konzentrieren sich in der Stille und knien schließlich nieder. Die Muslime der Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde Husum versammeln sich hier zum Freitagsgebet –  in großem Respekt voreinander, vor Allah und vor den Gastgebern. Und zur festgelegten Zeit, jeweils 30 und 15 Minuten vor Beginn des Gottesdienstes, ruft der Muezzin zum Gebet.

Hintergrund ist, dass die Ahmadiyya ihre bisherige Heimat im Treibweg verloren und im Industriegebiet ein neues Gemeindezentrum bauen. Im Sommer war es für die etwa 100 Gemeindeglieder gut möglich, sich zumindest freitags, der wichtigsten Gebetszeit, unter freiem Himmel zu treffen. Aber das, so fand die Kirchengemeinde Husum, sei doch keine Perspektive für die Wintermonate. Und so entschied sie sich, die Ahmadiyya in ihr Gemeindehaus einzuladen – und diese nahmen gerne an. So ist das seit September des vergangenen Jahres, und immer freitags erklingt zur späten Mittagszeit der Gebetsruf im Evangelischen Gemeindehaus. Der Kontakt sei herzlich, erzählt Friedemann Magaard, er habe sich bereits sehr geehrt gefühlt, dass er als evangelischer Pastor zur Grundsteinlegung der Moschee im April 2019 eingeladen worden war. „Die Zusammenarbeit ist unkompliziert“, sagt er, „die Ahmadiyya-Gemeinde hält sich sorgfältig an die Hygienevorschriften, ist superfreundlich und gut organisiert.“

In Husum gibt es zwei muslimische Konfessionen. Zu beiden hat die Kirchengemeinde einen guten, freundschaftlichen Kontakt. „Wir kennen uns und wissen voneinander“, so Magaard, der auch Beauftragter des Kirchenkreises für den christlich-muslimischen Dialog ist. In beiden Gemeinden sei er herzlich willkommen, und umgekehrt ist es genauso: Bei besonderen Anlässen sind immer auch die muslimischen Vertreter eingeladen. Zuletzt war die Ahmadiyya-Gemeinde sogar bei der Stadtwette für die neue Orgel aktiv. „Für alle Gemeindeglieder war es eine Herzensangelegenheit, sich an dieser Aktion zu beteiligen“, schreibt Hasib Ghaman in der Festschrift.

Dass Christen und Muslime einander Gastfreundschaft gewähren ist, so Ghaman, keine Erfindung der Neuzeit. „In einer Begebenheit zu der Zeit des Heiligen Propheten Muhammad heißt es, dass ein christliches Volk zu dem Heiligen Propheten Muhammad kam, und die Gebetszeit für die Christen brach an“, schreibt Ghaman auf Aufrage. „Der Heilige Prophet Muhammad bot ihnen an, das Gebet in der Moschee abhalten zu können.“ Das friedliche Miteinander der Religionen gibt es also schon lange, so der Imam, und so soll es auch bleiben.

Am Altjahrsabend trafen sich nun die Muslime zum letzten Mal in der Norderstraße. Bis ihr eigenes Haus fertig ist, treffen sie sich in Räumen des Diakonischen Werks Husum. Friedemann Magaard und Hasib Ghaman sind dankbar für die gemeinsame Zeit. „Vertrauen kommt nicht von alleine“, so der Pastor, „dafür müssen wir uns besuchen und neue Räume öffnen.“ Und das sei auch theologisch angemessen, denn Christen und Muslime sind gemeinsam mit den Juden „entfernte Verwandte“, weil sich alle drei Religionen auf Abraham als Stammvater berufen. „Ich finde es wichtig, dass die verschiedenen religiösen Gruppen Husums in guter Nachbarschaft miteinander leben.“

BU: Stehen ein für gutes Miteinander der Religionen in Husum: Pastor Friedemann Magaard (li.) und Muhammad Zia Nasir, Präsident der Ahmaddiyya Jamaat Gemeinde Husum.


Diese Fusion macht Sinn

Eigentlich bleibt alles beim Alten, und doch ist alles anders: Mit einem feierlichen Gottesdienst wurde gestern in Hattstedt ein neuer Kirchengemeinderat eingeführt, der aber eigentlich fast der alte ist. Die Kirchengemeinden Hattstedt und Olderup haben sich zur „Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Hattstedt-Olderup“ zusammengetan, die alten Gemeinden wurden formell aufgelöst und in die neue überführt, und die Kirchengemeinderäte wurden formell für den Dienst in der neuen Gemeinde verpflichtet und gesegnet.

Dass diese Fusion Sinn macht, erklärte auch Propst Jürgen Jessen-Thiesen in seiner Predigt: „Sie kennen sich und arbeiten schon seit vielen Jahren zusammen. Diese Fusion ist organisch ge-wachsen, fast ergibt sie sich von allein.“ In der Tat: Schon immer gab es eine enge Zusammenarbeit der beiden Nachbargemeinden. Die ergibt sich allein schon dadurch, dass Horstedt zwar kirchlich zu Hattstedt gehört, kommunal aber schon lange eng verbunden ist mit Arlewatt und Olderup, den beiden Dörfern der Kirchengemeinde Olderup. Der Seniorenkreis und das Frauenfrühstück der sogenannten „Osterdörfer“ sind dafür ein Beispiele. Seit 2007 gibt es einen gemeinsamen Gemeindebrief, und Simone Hahnefeld unterstützt die Verwaltung in beiden Kirchengemeinden freundlich und kompetent. Igor Vlassov war schon „Regionalkantor“, als es das Wort noch gar nicht gab: Er versieht seit Jahren den Orgeldienst in beiden Kirchen. In Kirchen- und Posaunenchor begegnen sich Gemeindeglieder, und der Olderuper Gospelchor, den er leitet, war immer schon eine fröhliche Zusammenkunft über Gemeindegrenzen hinweg. Seit vielen Jahren tagen die Kirchengemeinderäte mindestens einmal im Jahr gemeinsam. Der Weltgebetstag wird von Frauen aus beiden Gemeinden organisiert.

„Man weiß, gemeinsam geht es besser“, so der Propst. Das hat auch mit den vielen Jahren verlässlicher Zusammenarbeit zu tun. Insgesamt 4,5 Jahre hat Jörn Jebsen, eigentlich Pastor in Hattstedt, Vakanzvertretungen für Olderup übernommen, wenn dort ein Pfarrstellenwechsel anstand. Er kennt die Olderuper Situation, weiß um die Schwierigkeiten einer Kleinstgemeinde von knapp 600 Mitgliedern und die Gemeinde ist ihm längst ans Herz gewachsen.  Auch Ralf Pehmöller, zurzeit Pastor in Olderup, kennt die Hattstedter gut: Er versorgt die Horstedter Gemeindeglieder seelsorgerlich, die Pastoren vertreten sich gegenseitig und teilen sich Aufgaben: Während Pehmöller die Kindergärten und Schulen betreut, kümmert sich Jebsen um die Senioren und die Konfis. „Die Zusammenarbeit hat sich seit vielen Jahren bewährt“, so der Propst. „Die Erfahrung lässt erahnen: Diese Fusion macht Sinn.“

Beim Gottesdienst, der von Posaunen- und Kirchenchor musikalisch gestaltet wurde, führten die beiden Pastoren den neuen, gemeinsamen Kirchengemeinderat in sein Amt ein. Elf Mitglieder hat er nun, drei langjährig Engagierte hatten sich aus freien Stücken gegen eine Weiterarbeit entschieden. Außerdem begrüßte die Gemeinde Inke Raabe als Pastorin im Team. Sie ist eigentlich Referentin für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis und wird nunmehr ehrenamtlich ab und zu Dienst in der fusionierten Gemeinde tun.

Das neue Frauenprogramm ist da

Für Frauen – aber nicht nur: Das neue Programm der Evangelischen Frauenarbeit im Kirchenkreis Nordfriesland ist erschienen, und es enthält ein umfangreiches Angebot für Menschen aller Generationen: Kreatives und Nachdenkliches, Verantwortung und Genuss, Bildung und Vorträge. Digitales und Analoges. „Hoffnung, Perspektive und eine Vision der Zukunft sind wichtig“, sagt dazu Claudia Hansen, Referentin für Frauenarbeit. „Ich hoffe, dass wir mit diesem Programm genau das vermitteln.“

Am Anfang steht ein Gespräch über Rassismus gegen Frauen mit Aminata Touré, Stellvertretende Landtagspräsidentin in Schleswig-Holstein und Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen im Ratssaal der Stadt Husum am 13. Januar. Beim Weltgebetstag geht es in diesem Jahr um England, Wales und Nordirland. Die Vorbereitungswerkstatt findet digital am 15. Januar statt, der Ländervortrag wird, wenn möglich, am 3. Februar analog im Christian Jensen Kolleg gehalten. Es gibt Biografiearbeit und Meditationen in der Natur, ein Malseminar und einen Vortrag über Klimabewusstsein. Mehrere Wochenend-Seminare laden zu Begegnung, Spiritualität und Vertiefung ein. Gottesdienste mit Familiensegnung und zum Frauensonntag sind ebenfalls im Angebot. Außerdem stellen die Akkerfruuns von Nordstrand ihr Konzept des biologischen Gärtnerns auf der Insel vor. Das Programm umfasst insgesamt 34 Seiten. Das Team der Frauenarbeit hat sich für viele Angebote bewusst Partnerinnen und Partner gesucht: Mal ist es das Gleichstellungsbüro der Stadt Husum, ein anderes Mal sind es Kirchengemeinden oder zum Beispiel das Frauenwerk der Nordkirche. Immer geht es darum, den Blick zu weiten und gleichzeitig zu vertiefen.

Das Programm liegt bei vielen Kirchengemeinden aus. Es kann aber auch auch hier heruntergeladen oder bei sekretariat@erw-breklum.de bestellt werden.