Vom Kater lernen

Leck – Sein großes Vorbild ist ein relativ kleines Tier: Dr. Lars Emersleben liebt es, seinem Kater zuzusehen, der tagsüber schnurrend in der Sonne liegt und nachts mit Heldenmut Mäuse jagt. „Beides, das Feiern im Hellen und Licht ins Dunkel zu bringen gehört zusammen in meinem Beruf“, verrät der 55-Jährige im Gemeindebrief. Seit dem 1. September ist er Pastor der Kirchengemeinde Leck

Mit einer halben Stelle tut er Dienst in Leck-Süd, Klintum und Osterschnatebüll, mit der anderen versorgt er Vertretungsdienste im nördlichen Nordfriesland und tritt damit die Nachfolge von Pastor Holger Asmussen an. „Das hat sich so gefügt“, erzählt er. Seine Frau Karin war 2020 in Leck gewählt worden, er war damals theologischer Referent der Nordkirche in Kiel. „Es ist eine schöne Gemeinde mit tollen Kollegen“, sagt er. Das Team arbeitet gut und verlässlich zusammen, und Lars Emersleben freut sich auf das vielfältige Gemeindeleben mit den Amtshandlungen, dem Konfirmandenunterricht und den Gottesdiensten. „Dem Gottesdienst ist nichts vorzuziehen“, zitiert er den alten Benedict von Nursia. Da schlägt sein Herz. Er versteht sich als Theologe, seine Aufgabe ist es, das Wort Gottes so zur Sprache zu bringen, dass es die Menschen hören können.

Dabei bleibt er ganz Mensch, humorvoll und „ein bisschen schräg“, wie er selber sagt. Er liebt es, seinen alten Landrover Defender zu fahren und auch mal daran rumzuschrauben. Er mag Filme am liebsten, „wenn da was durch die Luft fliegt“, und ihm fallen sehr spontan Witze ein, die wirklich witzig sind. Er liebt es, den Blumen im Garten beim Wachsen und den Katzen beim Spielen zuzusehen. Seine größte Schwäche sei, so der Pastor, dass er den Mund nicht halten könne, wenn ihm etwas nicht passt. Und gefragt nach dem Buchtitel, der über seinem Lebensbuch stehen müsse, antwortet er: „Ene, mene, meck – nun bin ich weg. Man muss ja vom Ende her denken.“

Fast vier Jahrzehnte Engagement

Enge-Sande – Der Kirchengemeinderat (KGR) lenkt die Geschicke der Gemeinde. Hier wird alles beraten und entschieden, was von Bedeutung ist. Er verantwortet den Gottesdienst, wählt den Pastor, die Pastorin, kümmert sich um das Personal, die Gebäude und die Liegenschaften. Seine Mitglieder sind  „Vorbilder in der Kirchengemeinde und prägen das Bild von Kirche in der Öffentlichkeit“, wie es in der Gemeindeordnung der Nordkirche heißt. Andreas Paulsen hat diese große, ehrenamtliche Verantwortung 37 Jahre lang getragen. Dafür wurde er nun von Pröpstin Annegret Wegner-Braun mit dem Ansgarkreuz der Nordkirche geehrt.

„Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten“, so zitierte die Pröpstin aus der Bibel. Das sei Aufgabe und Berufung für alle Christinnen und Christen. Andreas Paulsen habe das besonders gelebt: Von den 37 Jahren im KGR habe er 31 Jahre lang den stellvertretenden Vorsitz innegehabt. „Sie haben die Kirchengemeinde durch viele Phasen begleitet“, sagte sie. Andreas Paulsen sei ein guter Ratgeber gewesen, habe oft auch praktisch mit angepackt, war treu und zuverlässig über viele Jahre. Er habe anderen Menschen Raum gegeben, war immer um Dialog bemüht gewesen, ein guter Zuhörer und ein Vorbild für viele. „Danke für alles, was Sie in diesen Jahren für die Kirchengemeinde gewesen sind.“

Andreas Paulsen selbst blickt zufrieden auf die Zeit zurück. „Wir hatten immer ein gutes Miteinander“, sagt er. Zwölf Jahre hat er mit Pastor Werner Stümke zusammengearbeitet, seit 1996 ist Anja Nickelsen-Reimers Pastorin in Enge, und ihr Mann Thomas Reimers ist ebenfalls Pastor und in der Gemeinde engagiert. Die Zeit des Wechsels war ein bisschen aufregend, erinnert er sich. In der Vakanz-Zeit hatte er den Vorsitz und kümmerte sich unter anderem um die Renovierung des Pastorats. Er war Mitglied des Bau- und des Friedhofsausschuss, und ihm als Landwirt lagen besonders die Ländereien der Gemeinde am Herzen. „Da muss man sich ja ein bisschen mit auskennen“, sagt er, „die liegen ja weit verstreut.“

Zur Verleihung des Ansgarkreuzes wurde auch seine Frau Annegret mit einem Blumenstrauß geehrt, die ihn über die Jahre oft hat entbehren müssen. Bei der nächsten Kirchengemeinderatswahl wird der heute 77-Jährige aber nicht mehr kandidieren. „Da können jetzt auch mal Jüngere ran“, sagt er. „Ich bin guter Dinge, dass es jetzt auch gut weitergeht.“

Kirchenwahl: Lust zu kandidieren?

Ende November ist Kirchenwahl. Dann sind die evangelischen Christinnen und Christen der Nordkirche aufgerufen, neue Kirchengemeinderäte für ihre Gemeinden zu wählen. In den nächsten Wochen werden die Wahlbenachrichtigungen per Post versandt. Annegret Wegner-Braun und Jürgen Jessen-Thiesen sind Pröpste im Kirchenkreis Nordfriesland. Sie erzählen im Interview, was die Kirchenwahl bedeutet.

Frau Wegner-Braun, Sie sind Pröpstin für den Nordbezirk. Wie weit sind die Kirchengemeinden, was sind die nächsten Schritte?

Annegret Wegner-Braun: Die Kirchengemeinden haben bereits im Februar den sogenannten Wahlbeschluss gefasst und damit festgelegt, wie groß der künftige Kirchengemeinderat (KGR) sein soll. Jetzt suchen sie Menschen, die sich in den kommenden sechs Jahren in diesem Leitungsgremium engagieren mögen. Dafür haben sie noch bis zum 2. Oktober Zeit.

Die Pröpste haben ja viel mit den ehrenamtlichen Kirchengemeinderäten zu tun. Was sind nach Ihrer Einschätzung die schönsten, was die schwierigsten Aufgaben?

Jürgen Jessen-Thiesen: Der Kirchengemeinderat entscheidet über die Angelegenheiten der Kirchengemeinde. Er entscheidet zum Beispiel über Anstellungsverhältnisse, Pachtverträge, Sanierungsmaßnahmen und über den Umgang mit Geldern, die irgendwie immer knapp sind. Das sind oft komplexe Aufgaben, in die man sich erst ein bisschen hineindenken muss. Aber man hat auch großen Gestaltungsspielraum. Und man trägt die Verantwortung nicht allein, sondern gestaltet das kirchliche Leben gemeinsam. Jede und jeder mit den eigenen besonderen Fähigkeiten. Das macht Sinn und macht auch Spaß.

Die Kirchengemeinden im Kirchenkreis sind ja sehr unterschiedlich: Da gibt die Inseln Föhr und Sylt mit ihren großen Aufgaben für Einheimische und Gäste, daneben gibt es sehr kleine Gemeinden. Macht eigentlich die Gemeindegröße einen Unterschied für die Arbeit im KGR?

Annegret Wegner-Braun: Die größte Kirchengemeinde ist derzeit Husum mit 8000 Gemeindegliedern und vier Pastorinnen und Pastoren, die kleinsten sind Oland mit 20 und Gröde mit 8 Mitgliedern, die sich ihren Pastor mit der Kirchengemeinde Langeness teilen. Große Gemeinden haben oft mehrere Gebäude, die viel Arbeit machen, der Verwaltungsaufwand ist vielleicht ein bisschen höher als bei Kleinstgemeinden, dafür haben sie oft auch hauptamtlich Mitarbeitende, die einfach ein Segen sind. Bei den kleineren Gemeinden wird oft jede Hand gebraucht und Arbeit kann nicht so leicht delegiert werden.

Zu Ihrem Bezirk gehören unter anderem  Inseln und Halligen. Sind die Voraussetzungen auf den Inseln und Halligen anders als auf dem Festland?

Jürgen Jessen-Thiesen: Ein KGR besteht aus mindestens fünf gewählten Mitgliedern. Wo es hauptamtlich Mitarbeitende gibt, kann sich auch eine oder einer von ihnen zur Wahl stellen. Die Pastorinnen und Pastoren gehören qua Amt dazu und müssen nicht gewählt werden. Man könnte vermuten, dass das in kleinen Gemeinden wie Hooge eine größere Herausforderung ist als auf dem Festland. Aber wir machen die Erfahrung, dass die Menschen auf Inseln und Halligen sich gerne engagieren und ein großes Herz für ihre Kirche haben.

Was muss ich eigentlich tun, wenn ich gewählt werden möchte? Muss ich zum Beispiel Kirchenmitglied sein?

Jürgen Jessen-Thiesen: Ja, Sie müssen Mitglied der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland sein. Sie brauchen fünf Menschen, die Ihre Aufstellung befürworten und Sie zur Wahl vorschlagen, ein entsprechendes Formular und auch Unterstützung dafür bekommen Sie in Ihrer Kirchengemeinde. Gewählt werden können alle volljährigen Kirchenmitglieder, wahlberechtigt sind alle Getauften ab 14 Jahren.

Muss man bestimmte Qualifikationen mitbringen?

Annegret Wegner-Braun: Nein, wir freuen uns über jede und jeden, der seine Kompetenzen miteinbringt. Toll sind Menschen, die etwas von Verwaltung, Finanzen oder Bau verstehen, aber genauso gerne sind die gesehen, die Lust an der Verkündigung des Evangeliums haben oder einfach gerne anpacken und helfen. Besonders junge Menschen sind eingeladen, sich aufstellen zu lassen. Wir freuen uns auf ihre Impulse und Anregungen.

Eine Frage an Sie beide: Was macht Ihnen besonders viel Freude an der Zusammenarbeit mit Kirchengemeinderäten?

Annegret Wegner-Braun: Ich besuche derzeit viele Kirchengemeinden und freue mich ungemein über das Engagement der Kirchengemeinderäte und anderer Menschen, die sich ehrenamtlich beteiligen. Was für einen Schatz wir da haben! So viele kluge Köpfe! Manchmal komme ich aus dem Staunen gar nicht heraus!

Jürgen Jessen-Thiesen: Die Mitglieder der Kirchengemeinderäte kennen die Menschen vor Ort und können gut einschätzen, was gebraucht und ersehnt wird. Sie setzen sich dafür ein, dass Kirche für die Menschen da ist. Das ist gut so und unverzichtbar.   

Sommer, Sonne, Eiscreme

Endlich wieder unterwegs: Die Erleichterung und die Freude ist im Evangelischen Kinder- und Jugendbüro (EKJB) zu spüren. Nach der langen Corona-Zeit konnten nun wieder die Sommerfreizeiten stattfinden. Mehr als 100 junge Menschen trafen sich in Zeltlagern, auf der Treene oder bei der Klimasail auf der Artemis. „Es ist wie ein Aufatmen“, sagt Susanne Kunsmann vom EKJB.

Insgesamt gab es vier Kinderfreizeiten im dänischen Skovmose, an denen insgesamt 60 Kinder teilnahmen. 30 Jugendliche im Alter von zwölf bis 14 Jahren machten sich mit dem Kanu auf den Weg oder zelteten an der Ostsee. Auf Klima-Sail begaben sich zwölf Jugendliche, und zur Jugendbegegnung nach Lettland machten sich sieben junge Menschen auf. „Es gab keinen einzigen Corona-Fall und auch keine anderen Katastrophen, es gab viel gutes Wetter und viel Eis, und alle Freizeiten waren voll belegt,“ freut sich Susanne Kunsmann. Durch viele Fördermittel war es möglich, die Aktivitäten sehr günstig anzubieten und als „Dankeschön-Bonschi“ sogar mit einer großen Gruppe Ehrenamtlicher nach Disney-Land Paris zu fahren.

Besonders dankbar ist die Pädagogin für die ehrenamtliche Unterstützung, ohne die ein solches Angebot gar nicht möglich wäre: Mehr als 20 Teamer und Teamerinnen begleiteten die Freizeiten, leiteten sie teilweise sogar in eigener Verantwortung. „Es war eine super tolle Möglichkeit viele Erfahrungen zu sammeln und eine gute Zeit mit den anderen Leitenden und Kindern zu verbringen. Niemand wird ausgeschlossen, und im Team wird Zusammenarbeit großgeschrieben“, schreibt zum Beispiel Aline Schmidt, die eine der Kinderfreizeiten in Skovby geleitet hat. „Wir unterstützten uns gegenseitig bei kleinen Hürden und hatten auch eine Menge Spaß und Freude an dem, was wir tun.“

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Anna Ihme und ihrem Kollegen Sebastian Hurst bildet Susanne Kunsmann das hauptamtliche Team des EKJB: „Wir sind hochmotiviert, für Kinder, Jugendlichen und junge Erwachsene Erlebnisse zu schaffen, damit wir auch in Zukunft eine Generation heranwachsen sehen, die etwas von Gemeinschaft, Empathie und Frieden versteht“, so die Pädagogin.

Foto: Lasse Eggers

Eiderstedts Kirchen per App erkunden

Eiderstedt – Das wär doch was: Eine Kirchen-App mit allen Informationen, ein mobiler Kirchenführer sozusagen, für jeden zugänglich, modern, aktuell und ansprechend. Am Anfang war es nur eine „spinnerte“ Idee im Zusammenhang mit dem Reformationsjubiläum 2017, sagte Propst Jürgen Jessen-Thiesen in St. Peter-Ording vor Vertretern aus Politik und Kirche. Aber dann bekam die Idee Flügel, wurde zunächst in Wismar umgesetzt und jetzt sind die ersten Gotteshäuser der Kirchenregion Eiderstedt online: St. Peter-Ording, Tating, Oldenswort und Westerhever präsentieren sich vielfältig und ansprechend mit Videos, Texten und Spiel-Ideen für Groß und Klein.

„Für jede Kirche gibt es einen interaktiven Grundriss“, erklärte die Oldensworter Pastorin Inke Thomsen-Krüger. Auf ihm seien dann Links zu den einzelnen Stationen wie dem Altar oder dem Taufbecken der jeweiligen Kirche gesetzt. Unter den Reitern Wissen – Glauben – Erleben können Besuchende dann Informationen und Anregungen erhalten. Am Beispiel des Dirckschen-Epitaphs aus dem 16. Jahrhundert in der St. Pankratius-Kirche Oldenswort illustrierte sie, wie das konkret aussieht: Auf dem Epitaph ist die Familie Jakob Dircke zu sehen, und die Frauen tragen die Eiderstedter Tracht – dieses Bild wurde zur Vorlage für die Trachtenvereine Eiderstedts – davon erzählt Gudrun Fuchs in einem Film, der ebenfalls über die App abzurufen ist. Eine spielerische Annäherung gibt es auch: Die Trachten von Eiderstedt, Föhr und Sylt können digital in einer kindgerechten Abbildung miteinander kombiniert werden.

Mehr als zwei Jahre hat eine Projektgruppe mit Unterstützung des Kommunikationswerks der Nordkirche bisher daran gearbeitet. Und die Arbeit geht weiter: Nach und nach sollen alle Gotteshäuser der Kirchenregion Eiderstedt hier gezeigt werden. Das ist zurzeit besonders wichtig, so erklärte Pastor Michael Goltz, weil das Projekt Schutzengel, die Sanierung der Eiderstedter Kirchen, in vollem Gange und darum manches Gebäude nicht zugänglich sei. Mit der App sei es nun möglich, sich digital zu informieren, aber auch die Dringlichkeit der Arbeiten zu verdeutlichen und weiter um Spenden dafür zu werben.

„Wir merken, dass immer mehr Besucher nach Eiderstedt kommen und dass das Interesse an unseren Kirchen steigt“, sagte Michael Goltz. Und Propst Jessen-Thiesen ergänzte: „Wir hoffen, dass die App Menschen Freude und Lust macht, unsere Kirchen zu entdecken.“

Info: Die Nordkirchen-App gibt es kostenlos im App-Store für IOS und im Play-Store für Android. Sie öffnet sich mit einer interaktiven Karte der gesamten Nordkirche. Durch Ziehen und Vergrößern erreichen Besuchende die Kirchen Eiderstedts, rot unterlegte Symbole weisen auf bereits eingespeiste Inhalte hin. Informationen über Öffnungszeiten, Kontakte und Gottesdienste/Veranstaltungen sind ebenfalls unter den einzelnen Kirchen abzurufen.

Begegnung im Park

Husum – Der blaue Himmel über der Festwiese im Schlosspark kündigte es schon an, es sollte ein erlebnisreicher Tag werden für über 400 Gäste, die zum Fest der Begegnung gekommen waren. Organisiert wurde diese Veranstaltung von der Fachstelle Migration des Diakonischen Werks Husum und dem Jugendmigrationsdienst vom Quartiersmanagement Obere Neustadt.

Deren Leiterin, Urte Andresen, bedankte sich bei der Begrüßung recht herzlich für die Teilnahme der einzelnen Organisationen und bei den verschiedenen Geldgebern. „Ohne diese Unterstützung wäre ein solches Fest nicht möglich und ich freue mich sehr, dass das in diesem Jahr wieder stattfinden kann, nachdem wir während der vergangenen zwei Jahre eine Corona bedingte Pause einlegen mussten.“ Husums Bürgermeister Uwe Schmitz wünschte den Besuchern ebenfalls einen tollen Nachmittag: „Wir durchleben seit Corona schräge Zeiten. Menschen können nur gut miteinander umgehen, wenn sie miteinander reden und sich austauschen. Lassen Sie uns alle zusammen ein Zeichen setzen für ein gutes Miteinander. Es wäre ein falscher Weg, sich spalten zu lassen.“

Christine Wittstock von der Fachstelle Migration erklärte den geplanten Ablauf, sie eröffnete das Kuchenbuffet und damit alle Anwesenden sich willkommen fühlen, gaben einige der vielen ehrenamtlichen Helfer eine Zusammenfassung der Begrüßung in verschiedenen Sprachen. Die Bänke und Tische unter den schattenspendenden Parkbäumen sind alle besetzt, die Eltern sitzen dort und tauschen sich aus. Wer keinen Platz gefunden hat breitet eine Decke aus und trifft sich dort mit Freunden. So auch Abdalla Rasul Aziz, der Journalist aus dem Irak lebt seit zweieinhalb Jahren mit seiner Familie in Deutschland. Später sieht man ihn in seinem Festgewand zur Livemusik tanzen. Die Musik, eine Mischung aus kurdischen, persischen, arabischen und türkischen Melodien verantwortet Dana Ahmed, der mit seinen Freunden extra für diesen Tag eine Live Band auf die Beine gestellt hat. „Wir haben viele Tage zusammen geübt und es macht richtig Spaß heute“, verrät Ahmed. Am Kaffeestand aus Eritrea sind ebenfalls die Frauen in ihrer Nationaltracht zu bewundern. „Wir tragen diese Trachten nur zu besonderen Anlässen und heute ist so einer“, freut sich Hiwet Berhane. Die junge Frau röstet und mahlt den Kaffee vor Ort, der dann frisch aufgebrüht wird.

Für die Kinder wurde von der Diakonie, den Husumer Streetworkern und dem Kinderschutzzentrum ein tolles Programm auf die Beine gestellt: vom Kinderschminken, Basteln, Graffiti sprühen, Modellautos fahren und Seilziehen war alles dabei. Die Kinder kennen kein Alter, Geschlecht oder Hautfarbe. Sie spielen, toben und lachen und sie haben alle einen unheimlich schönen Tag. Diese Kinder werden am Abend erschöpft und müde, aber glücklich, ins Bett fallen, das ist sicher. Aber bis dahin gibt es noch jede Menge Kuchen zu vernaschen und um 17 Uhr ein Buffet, das die Damen aus fernen Ländern zubereitet haben. Die Tische biegen sich förmlich unter all den Köstlichkeiten, doch am Ende des Tages ist auch das letzte Fladenbrot, die letzte Piroschki und das letzte halal-Würstchen verspeist.

Christine Wittstock ist sichtlich erleichtert, dass es ein so schönes Fest geworden ist. „Wir wollen den Menschen einfach einen schönen Tag bereiten, sie sollen es einfach mal guthaben, mit ein bisschen Spaß und Freude. Und dazu zählen auch die Begegnungen mit Deutschen, wir haben massiv in der Oberen Neustadt geworben, damit die Einheimischen auch mal die Kultur kennen lernen können, die die Menschen aus ihrer Heimat  mitbringen und die sie hier endlich einmal präsentieren können.“ Familie Wellbrock aus Husum ist jedenfalls begeistert: „Wir waren das erste Mal auf dem Fest der Begegnung, aber es wird nicht das letzte Mal sein. Wir kommen wieder – versprochen.“

Text und Bild: DW

St. Severin: Gastfreundlich und segnend

Zu vielen kritischen Anfragen in kirchlichen Kreisen führte der Gottesdienst anlässlich der Eheschließung von Finanzminister Christian Lindner und der Journalistin Franca Lehfeldt in Keitum/Sylt. Medienberichten zufolge sind beide nicht Kirchenmitglied.

„Es ist auch bei uns in St. Severin die Ausnahme, dass Paare getraut werden, die nicht in der Kirche sind“, teilte Susanne Zingel, Pastorin der Kirchengemeinde in Einvernehmen mit dem Kirchengemeinderat mit. „Aber es findet statt.“ Dabei verwies sie auf einen Synodalbeschluss der Nordkirche aus dem Jahr 2019, in dem es darum geht, auf Mitglieder und Distanzierte zuzugehen und in Erprobungsräumen neue Wege – auch mit Ausgetretenen – zu gehen. „Wir sind in diesem Erprobungsprozess eine teilnehmende Gemeinde“, so die Pastorin.

Auf diesem Hintergrund und in enger Absprache mit Pröpstin Annegret Wegner-Braun war es nach einem ausführlichen Gespräch mit dem Ehepaar rechtlich und seelsorgerlich möglich, diesen Gottesdienst zu feiern und dem Paar Gottes Segen zuzusprechen. „Wir sind eine gastfreundliche, segnende und betende Gemeinde, die sich vor Gott in St. Severin immer neu zusammenfindet“, zitiert Susanne Zingel in einem offenen Brief aus dem Leitbild der Kirchengemeinde. „Uns verbindet die Hoffnung auf das Wirken des Heiligen Geistes, der die Gemeinde Jesu Christi lebendig erhält.“

Bank mit Botschaft

Wenn „Tafeltag“ in Husum ist, stehen die Kundinnen und Kunden oft schon Stunden vorher vor der Friedenskirche und bilden aus ihren Taschen eine lange Schlange. Denn wer zuerst kommt, mahlt zuerst, die gespendeten Waren sind begrenzt, und die Not ist groß. Um ihnen die Wartezeit ein wenig angenehmer zu machen, haben Mitarbeitende des Diakonischen Werks eine Bank mit Botschaft aufgestellt. „Kein Platz für Rassismus“ steht auf der Lehne, und darunter ist ….. kein Platz zum Sitzen.

„Wir haben diese Bänke im Projekt ‚Anpacken‘ erstellt“, erzählt Thomas Pevec, Tischler und Fachanleiter im Diakonischen Werk Husum. Das Projekt ist eine handwerkliche Qualifizierungsmaßnahme für Menschen, die Arbeitslosengeld II beziehen. Für die Teilnehmenden sei das ein interessantes Projekt gewesen, sagt er: Die Bänke sind carbonisiert und mit einem Gemisch aus Leinöl und Chinaöl imprägniert, so dass sie sehr widerstandsfähig gegen nordfriesische Schmuddelwetter sind. Die Buchstaben seien von Hand geschnitzt und farblich abgesetzt worden. Das Projekt „Anpacken“ ist auf sechs Monate angelegt. Die Teilnehmenden lernen viel über Holz und das Tischlerhandwerk, in einer zweiten Phase beschäftigen sie sich mit dem Trockenbau. Hinzu kommen wöchentliche Theorie-Einheiten, die sich mit Arbeitsrecht und Arbeitssicherheit, aber auch mit Materialkunde beschäftigen. Das Zertifikat, das sie im Abschluss erhalten, soll künftigen Arbeitgebern zeigen, dass die Teilnehmenden schon Erfahrungen in der praktischen Arbeit haben und sie somit für den ersten Arbeitsmarkt auszeichnen.

„Eine witzige und schöne Idee“, sagt Andreas Raabe, der Pastor in der Friedenskirche ist, in der zurzeit die Tafelausgabe stattfindet. Er erlebt hautnah, wie früh die Gäste kommen und wie lang sie auch bei schlechtem Wetter auf dem Vorplatz ausharren, denn Arbeits- und Wohnraum des Pastors liegen direkt nebenan. „Kein Platz für Rassismus“ und „Gott liebt Vielfalt“ – diese Aussagen sind der Kirchengemeinde so wichtig, dass sie gleich vier von den Bänken bestellt hat, die an und bei den vier Gotteshäusern der Kirchengemeinde ihren Platz finden werden.

BU: Thomas Pevec (2. v. li.) und Andreas Raabe (2. v. r.) freuen sich mit Teilnehmenden des Projekts „Anpacken“ über die neuen Bänke

Fahrradsternfahrt nach Garding

Im Rahmen der Sanierungen laden die Eiderstedter Kirchengemeinden zu einer Fahrradsternfahrt ein. „Tour de Kark“ heißt das Motto: Am Sonnabend, 6. August, geht es um 13 Uhr von drei verschiedenen Startpunkten los in Richtung Garding. Auf dem Weg können die Teilnehmenden jeweils eine Kirche besichtigen und sich über Geschichte und Baufortschritt informieren. „Wir kommen mit den Bauarbeiten gut voran“, sagt Michael Goltz, Pastor für St. Peter-Ording und Tating sowie Fundraiser für das Projekt „Eiderstedter Schutzengel“. „Wir haben mit den Sanierungsarbeiten begonnen. Eiderstedter, Urlauber, Wochenendbesucher, Vereine, Geschäfte, Unternehmen jeglicher Art haben bereits 425000 Euro gesammelt.“ Allerdings fehlen noch weitere 900000 Euro. Bei der Fahrradsternfahrt können SpenderInnen und Interessierte sehen, was mit dem Geld gemacht wird und wo es noch fehlt. Goltz und seine Frau, Pastorin Sylvia Goltz, stehen ab 13 Uhr an der Ordinger Kirche bereit und radeln dann weiter nach Tating, wo der Trupp um 14 Uhr eintrifft – dort gibt es eine kurze Führung durch die die älteste Eiderstedter Kirche mit ihrer Ausstellung zu digitaler Kunst.

„Wir laden ein, die Kirchenlandschaft Eiderstedt mit dem Fahrrad zu entdecken“, sagt Inke Thomsen-Krüger, Pastorin in Oldenswort. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Christian Fritsch beginnt sie die Tour um 13 Uhr in Witzwort und fährt dann weiter nach Oldenswort. Dort soll es dann um 14 Uhr eine kleine Bauführung geben.

In Vollerwiek startet der dritte Trupp um die Pastoren Jörg Reglinski (Eiderstedt-Mitte) und Alexander Böhm (Tönning) um 13 Uhr. Ab 14 Uhr geht es in Welt weiter. Um 16 Uhr treffen sich die Radlergruppen in der St.-Christian-Kirche Garding. Dort gibt es eine kleine Orgelmusik und anschließend Kaffee und Kuchen als Stärkung für die Rückfahrt. Insgesamt sind die Touren jeweils 30 bis 40 Kilometer lang und eignen sich für Familien ebenso wie für E-Bikes oder herkömmliche Fahrräder. „Wir werden nicht ganz so schnell wie die Tour de France sein“, sagt Inke Thomsen-Krüger lächelnd, „wir nehmen aufeinander Rücksicht. Das klappt schon.“ Gerne kann man zwischendurch aufschließen. Bei ihr kann man sich unter Tel. 04864/10181 anmelden und auch weitere Informationen zum Streckenverlauf erfragen.

Foto: Thorsten Beetz

Der lange Weg

Ladelund: Die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund zeigt auch in diesem Sommer eine Sonderausstellung. Vom 26. Juli bis zum 4. September 2022 wird die Ausstellung zu den normalen Öffnungszeiten (Di-Fr 10-16, Sa und So 14-16) in der KZ-Gedenkstätte zu sehen sein.

Die diesjährige Sonderausstellung steht unter dem Titel „Der lange Weg. Aus Vergangenheit lernen – Zukunft gestalten“ und thematisiert die lange Geschichte der Ausgrenzung der Volksgruppe der Sinti und Roma. Seit letztem Herbst wird die vom Landesverband Deutscher Sinti und Roma konzipierte Ausstellung in ganz Schleswig-Holstein gezeigt.

Auf 21 Schautafeln wird die Geschichte der Verfolgung, Diskriminierung und Entmenschlichung der Sinti und Roma seit dem Mittelalter gezeigt. Biografien, die davon ein beredtes Beispiel geben, stehen im Zentrum der Ausstellung. Ein besonderes Gewicht besitzen die historischen Bilder, die deutlich zeigen, wie Sinti und Roma in das gesellschaftliche Leben und im lokalen Geschehen eingebunden waren.

Der Verband der Sinti und Roma setzt mit der Wanderausstellung im Rahmen der Aufklärung und im Kampf gegen Antiziganismus ein Zeichen zur Information, Austausch, Präsenz und Begegnung.

Die Ausstellung wird am 26. Juli 2022 um 19.00 mit einem Vortrag von Matthäus Weiß, dem Vorsitzenden des Landesverbandes der Sinti und Roma, eröffnet. Herr Weiß wird unsere Veranstaltung in Zusammenarbeit mit Herrn Dr. Jens Rönnau, Kurator der Ausstellung, gestalten. Dazu laden wir Sie gerne ein und bitten um eine Anmeldung unter info@kz-gedenkstaette-ladelund.de oder der Tel. 04666-449.

Titelfoto: Rolf-Ulrich Schlotter