Ein Werkstatt-Tag der Evangelischen Akademie der Nordkirche zu macht- und traumasensibler Sprache für Gottesdienst und Spiritualität in Kiel.
Sprache kann heilen – oder verletzen. Unter diesem Leitgedanken erkundeten rund 40 Teilnehmenden eines Werkstatt-Tages der Nordkirche, wie sie in Gottesdiensten und spirituellen Räumen achtsam mit Erfahrungen von Macht und Ohnmacht umgehen können. Geplant hatten das anspruchsvolle Programm unter anderem die Evangelische Akademie der Nordkirche, der Hauptbereich Gottesdienst und Gemeinde der Evangelischen Kirche in Norddeutschland, die Stabsstelle Prävention der Nordkirche und das Christian Jensen Kolleg in Breklum. Ziel der sehr unterschiedlichen Workshops dieses Werkstatttages war es herauszufinden, ob Sprache Menschen mit Erfahrungen von Gewalt und sexualisierter Gewalt in Kirche Raum geben kann, ohne zu überfordern. „Durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema Gewalt und sexualisierter Gewalt in der Evangelischen Kirche wurde uns deutlich, welch ein machtvolles Instrument die Sprache ist. Mit diesem Werkstatt-Tag wollten wir deshalb diejenigen in ihrer Arbeit unterstützten, die spirituelle Angebote in unserer Kirche und ihren Einrichtungen gestalten“, erklärt Pastorin Maike Lauter-Pohl, Studienleiterin für Gesellschaft und Religion der Evangelischen Akademie der Nordkirche.
Eindringliche Impulse zu Beginn
Gleich zu Beginn ergriffen zwei Betroffene selbst das Wort, der evangelische Pfarrer im Ruhestand und Mitglied der Betroffenenvertretung der Evangelischen Kirche, Matthias Schwarz und die ehemalige Sprecherin der Betroffenenvertretung, Nancy Janz. Beide setzten mit ihren eindringlichen Impulsen einen achtsamen Ton, den Dr. Kristine Augst, Direktorin des Amtes für kirchliche Dienste der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, in ihrem Vortrag weiterführte. Einfühlsam lotete sie Möglichkeiten einer sensible Gottesrede aus, die auch für Menschen mit Gewalterfahrungen stimmig sein könnte.
Unterschiedlichste Workshops zu macht- und traumasensibler Sprache
In den anschließenden Workshops bot sich den Teilnehmenden dann die Gelegenheit, selbst den Umgang mit macht- und traumasensibler Sprache in den unterschiedlichsten Zusammenhängen auszuprobieren. Dabei stand die Gestaltung traumasensibler Gottesdienste genauso im Fokus wie die Abendmahlfeier, die Gestaltung einer Rassismus-kritischen Spiritualität und der Blick auf neue und alte Kirchenlieder. Wichtig war allen Workshop-Leitenden, ein Gefühl dafür zu wecken, wie und wann Sprache Unsicherheiten auslöst. Die Teilnehmenden aus den unterschiedlichsten Bereichen der Evangelischen Kirche zogen nach dem Tag eine überwiegend positive Bilanz. „Es ist aber auch deutlich geworden, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt und sexualisierte Gewalt in unserer Kirche weitergehen muss“, fasst Maike Lauther-Pohl die Reaktionen zusammen.
Weitere Fachtagung für März 2027 geplant
Ein nächster Termin zur Beschäftigung mit diesem Thema steht auch schon fest: für den xx. März 2027 plant das Team des Werkstatt-Tages eine Fachtagung, um mit den Erkenntnissen der ForuM-Studie von 2024 und der bis dahin gesammelten Erfahrungen aus dieser und ähnlichen Veranstaltungen weiterzuarbeiten. Für alle Interessierten gibt es darüber hinaus auch einen Reader zum Werkstatt-Tag mit weiterführender Literatur und wichtigen Links zum Thema macht- und traumasensibler Sprache, erhältlich bei der Evangelischen Akademie der Nordkirche, der Stabsstelle Prävention und dem Hauptbereich Gottesdienst und Gemeinde der Evangelischen Kirche in Norddeutschland.
