Mit dieser Ehrung hatte sie wirklich nicht gerechnet. „Im Ehrenamt hat man immer das Gefühl, nicht genug zu tun. Ich hätte nicht gedacht, dass meine Arbeit so wertgeschätzt wird“, erzählt Karen Tiemann bescheiden. Dabei ist die Vorsitzende der Kirchengemeinde Hooge nicht nur seit Jahrzehnten eine verlässliche Stütze Ihrer Kirchengemeinde, sondern ist auch aus dem Kirchenkreis Nordfriesland nicht wegzudenken. Als Synodale der Kirchenkreissynode und stellverstretende Landessynodale gestaltet sie seit Jahren mit hohem Einsatz und viel Sachkenntnis die Geschicke unserer Kirche mit. Für die Kirchengemeinde Hallig Hooge war es also selbstverständlich, Karen Tiemann für diese hohe Auszeichnung vorzuschlagen. Ein Vorschlag, den der Kirchenkreis Nordfriesland sofort annahm. Am Sonntag, dem 15.02. um 10 Uhr wird Karen Tiemann für ihr großes ehrenamtliches Engagement in der Landeskirche, dem Kirchenkreis Nordfriesland und in ihrer Kirchengemeinde auf Hallig Hooge von Propst Mathias Lenz mit dem Ansgarkreuz, eine der höchsten Auszeichnungen der Nordkirche, geehrt.
Karen Tiemann – das Gesicht der Kirchenwarft und der Kirchengemeinde Hooge
„Unsere Kirche lebt durch solche Menschen wie Karen Tiemann, wir sind froh und dankbar für ihren jahrzehntelangen Einsatz, den wir nicht hoch genug einschätzen können“, erklärt Propst Mathias Lenz. Und die Kirchengemeinde Hooge schreibt in ihrem Antrag für die Ehrung Karen Tiemann als „das Gesicht der Kirchengemeinde und der Kirchenwarft“. Eine Beschreibung, die sicher nicht übertrieben ist. Denn bei Karen Tiemann laufen alle Fäden des kirchengemeindlichen Lebens zusammen. Sämtliche Vorgänge der Gemeinde gehen über ihren Schreibtisch und werden von ihr gemanagt. Außerdem leitet sie in den langen Phasen, in denen auf der Hallig keine Pastorin oder kein Pastor ist, die anreisenden Vertretungskräfte an und hilft ihnen, in das Gemeindeleben hineinzufinden.
Immer neugierig auf das Leben
Eine Rolle, die der gebürtigen Hoogerin nicht auf den Leib geschneidert war. Zwar sei sie in ihrem Elternhaus christlich erzogen worden, aber schon mit 15 verließ sie die Hallig, um auf dem Festland in Husum in die weitergehende Schule zu gehen. Für die Insel- und Halligkinder hieß das damals, früh erwachsen zu werden und in einem eigenen Zimmer bzw. einer kleinen Wohnung allein oder mit einer Mitschülerin zu leben. Neugierig auf das Leben jobbte Karen Tiemann nach ihrem Abschluss zunächst in Hotels und Gaststätten auf Föhr und machte dann eine Ausbildung zur Hotelkauffrau in Lindau am Bodensee. Ihre nächsten Stationen war dann das „Interconti“ in Berlin. Hier machte sie auch ihren Abschluss als staatlich geprüfte Betriebswirtin für Hotellerie und Gastronomie.
Auf Hooge kann man sich aufeinander verlassen
Nach fünf Jahren in Berlin, 1995, war sie eigentlich auf dem Sprung ins Ausland nach Dubai, als sie die Nachricht erreichte, dass ihre Tante auf Hallig Hooge erkrankt war. Sie zögerte nicht, kehrte zurück nach Hause und pflegte ihre Tante bis zu ihrem Tod. „Das war für mich selbstverständlich. Auf Hooge können wir uns aufeinander verlassen, gerade, wenn es einmal nicht so leicht ist“, erklärt Karen Tiemann ihren Schritt. Seitdem lebt Karen Tiemann wieder auf der Hallig, hat die Gaststätte ihrer Tante, den „Blauen Pesel“ übernommen, lernte ihren Mann Michael Klisch, Bürgermeister auf Hooge, kennen und trotzt mit ihm seit Jahrzenten gemeinsam den manchmal rauen Winden auf der Hallig.
Wer auf der Hallig lebt ist der Schöpfung sehr nah
Und wenn sie über ihre Heimat spricht, kommt sie aus dem Schwärmen kaum heraus: „Auf der Hallig ist man der Schöpfung sehr nah, lebt mit der Natur nicht gegen sie und erkennt hier sehr schnell, was wirklich wichtig ist“. Eine Erfahrung, die sie auch immer wieder in ihrem Glauben stärkt. Die Auszeichnung mit dem Ansgarkreuz empfindet sie als Ermutigung, weiterzumachen. Zwar wiege die Verantwortung, die man ehrenamtlich übernehmen muss, manchmal schon schwer, so Karen Tiemann: „Aber es ist auch eine große Freude, wenn ich sehe, dass die Gemeinde auf unserer Kirchwarft zusammenhält und wie viele Gäste im Sommer unsere Kirche genießen“.
