Weltgebetstag digital und analog

Nordfriesland – Immer am 1. Freitag im März feiern Christinnen und Christen den Weltgebetstag (WGT) der Frauen. Auch in Nordfriesland wird er seit vielen Jahren in zahlreichen Gemeinden begangen, vorbereitet in ökumenischer Zusammenarbeit von Ehrenamtlichen, und er erfreut sich bei Frauen und Männern gleichermaßen zunehmender Beliebtheit. Pandemiebedingt ist in diesem Jahr manches anders. Gefeiert wird am Freitag, 5. März, trotzdem: auf Youtube, als offenes Angebot oder unter den gegebenen Hygiene-Vorschriften als Gottesdienst vor Ort.

In diesem Jahr kommt die Liturgie aus Vanuatu, das ist eine Inselgruppe im Südpazifik. Vieles ist in dem Land noch schwierig: Mädchen und Jungen haben ungleichen Zugang zu Bildung, es gibt viel Arbeits- und damit Perspektivlosigkeit für junge Menschen, Gewalt gegen Frauen ist ein großes Thema. Inhaltlich liegt der Schwerpunkt auf dem Klimawandel und seinen Folgen, die für den Inselstaat jetzt schon gravierend sind. „Informiert beten, betend handeln“ ist das Motto jedes Weltgebetstags, auch in diesem Jahr informiert die Gottesdienstordnung über das ferne Land, Lieder und Gebete sind abgestimmt auf die Umstände. Präsenzgottesdienste gibt es dazu in Mildstedt ab 17 Uhr, in Schwesing ab 19 Uhr, in Enge ab 19.30 Uhr und in Fahretoft ab 14.30 Uhr. Zu den Gottesdiensten müssen Interessierte sich in der jeweiligen Gemeinde anmelden, währenddessen ist das Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes Pflicht.

Gemeinsam haben Frauen aus ganz Nordfriesland ein Gottesdienst-Video erstellt, das bei Youtube, https://youtu.be/6U7w-qXLo8E ab 17 Uhr zur Verfügung steht. Dabei gibt es auch die Möglichkeit, sich im Chat zu begegnen und sich auszutauschen. An manchen Orten gibt es alternative Angebote: So ist zum Beispiel die Bargumer Kirche von 14.30 bis 18 Uhr geöffnet, immer zur vollen Stunde zeigt das WGT-Team den Gottesdienstfilm des Kirchenkreises, in dem auch Bargumerinnen mitwirken, und Bilder. Im Lutherhof der Kirchengemeinde Breklum kann man von 15 bis 17 Uhr einen Wandelgottesdienst erleben, ab 18 Uhr gibt es einen Telefongottesdienst unter der Nummer 022165048856, Pin: 796435. Die Region Eiderstedt lädt ab 19.,30 Uhr zu einem Zoom-Gottesdienst ein, Anmeldung unter oldenswort@kirche-eiderstedt.de. Die Kirchengemeinde Husum bringt gerne Material zum Selberfeiern in die Häuser, dazu nimmt Heike Braren unter 04841/7725256 Anmeldungen entgegen.

Der digitale Gottesdienst zum Weltgebetstag beginnt am Freitag, 5. März, um 17 Uhr.

Unsere Spenden sind in diesem Jahr noch nötiger als sonst. Wir bitten herzlich um Ihre Kollekte:

Unter folgender Kontonummer können Sie spenden:
Weltgebetstag der Frauen – Deutsches Komitee e.V.
Evangelische Bank EG, Kassel
IBAN: DE60 5206 0410 0004 0045 40
BIC: GENODEF1EK1

Hier geht es direkt zum Spendenkonto

Sei frech, wild und wunderbar

Nordfriesland – Wer kennt sie nicht, die wunderbar wild-freche Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter oder kurz Pippi Langstrumpf? Astrid Lindgren erweckte das kecke Mädchen mit den Sommersprossen und den roten Zöpfen bereits 1945 zum Leben, seitdem wurde das Buch in 77 Sprachen übersetzt, und die kleine Schwedin mit den Superkräften begeistert und ermutigt seitdem Kleine und Große. „Sei frech, wild und wunderbar“, so heißt darum auch die Aktion des Evangelischen Kinder- und Jugendbüros Nordfriesland (EKJB). 100 kleine Nordfriesen erhalten in diesen Tagen ihre „Pippi-Post“ – ganz analog über den Briefkasten.

Die Mitarbeitenden des EKJB hatten zuvor eine E-Mail an alle Kirchengemeinden mit der Bitte um Weiterleitung geschickt. Darin wurden zunächst die Eltern gebeten, an einer Umfrage teilzunehmen und abschließend die Adresse ihres wunderbar frech-wilden Kindes anzugeben. Innerhalb weniger Tage lagen die anvisierten 100 Anmeldungen vor, und ab ging die „Pippi-Post“: Die Mitarbeiten versandten Umschläge, die Aufkleber, den Link zu einem Hörspiel, ein Quiz und einen kleinen Tuschkasten mit Zubehör enthielten, dazu eine Playlist mit Titeln „zum Hören, Mitsingen, Tanzen, Freuen und Jubeln“. In vier Schritten werden die Kinder damit zu Spiel und Kreativität animiert, vor allem aber dazu, anhand der Figur der Pippi Langstrumpf eigene Stärken wiederzuentdecken und ruhig auch mal kraftvoll den Aufstand zu proben.

„Wir wollen damit Kindern Mut machen, dass sie sich nicht unterkriegen lassen sollen in dieser doch etwas verrückten Zeit“, so Susanne Kunsmann vom EKJB. Pippi Langstrumpf sei, so habe es Astrid Lindgren einmal beschrieben, aufs Tiefste überzeugt von ihrer Stärke, das sei das Geheimnis ihrer Kraft. „In diesem Sinne hoffen wir, dass unser Projekt dazu beiträgt, dass wir gleiches auch demnächst über 100 kleine Nordfriesen und Nordfriesinnen sagen können“, so die Pädagogin. „Pippi ist mutig und selbstbewusst, sie lässt sich von den Erwachsenen nicht in ihr Leben reinreden“, so pädagogische Mitarbeiterin Anna Ihme. Freiräume, wie Pippi sie genießt, müssen sich viele Kinder im Home-Schooling freiträumen, dazu soll die  Pippi-Post helfen. Tabea Japsen, Mitarbeiterin im Bundesfreiwilligendienst, ist besonders begeistert von der Playlist mit Stark- und Mutmachliedern.

Die Kinder dürfen ihre „Pippi-Kunstwerke“ übrigens abfotografieren und dem EKJB zusenden, damit sie in einer Fotogalerie veröffentlicht werden können. Ach ja, und wer das „Pippi-Quiz“ ausgefüllt wieder an das EKJB schickt, nimmt automatisch an einer Verlosung teil und erhält mit etwas Glück ein persönliches Pippi-Langstrumpf-Paket als Geschenk.

Neue Impulse zur Fastenzeit

Die Fastenimpulse aus Nordfriesland gehen in die zweite Runde: Schon im vergangenen Jahr hatten die drei Pastoren Heike Braren (Husum), Leif Mennrich (Referat Christliche Profilbildung) und Joachim Kretschmar (Evangelische Akademie der Nordkirche) Menschen um ihre Gedanken zum Jahresthema des Kirchenkreises gebeten. In diesem Jahr lautet das Jahresthema „Was brauchst DU?“ – verschiedene Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens  – unter anderem Bischof Gothart Magaard und Ministerpräsident Daniel Günther –  aber auch Alltagsmenschen kommen zu Wort, in der Zeit vom Aschermittwoch bis zum Ostermontag gibt es jeden Tag einen kurzen Text und ein dazu passendes Bild.

Im vergangenen Jahr war das Projekt sehr erfolgreich gelaufen: Mehr als 300 Menschen hatten die Fastenimpulse als Email oder über die sozialen Netzwerke abonniert. Nachdenklich blickt das Team zurück, damals begann das Versenden der kleinen Botschaften fast zeitgleich mit dem Corona-Lockdown: „Wir kamen zufällig zur rechten Zeit“, sagt Leif Mennrich. Offenbar sei in der Krise ein Bedürfnis nach Nahrung für die Seele, nach Kontakt und nach einer Kirche, die zu den Menschen kommt, gewachsen.

„Was brauchst du?“ – das ist die Leitfrage, die die Autoren mit auf den Weg bekommen haben, und die in diesen Tagen noch einmal eine neue Bedeutung erhält. Zwar soll auch im diesen Jahr das Virus nicht im Mittelpunkt stehen, aber es prägt viele Texte, die das Team erreichen. Das hat auch mit dem Thema zu tun. „Viele denken momentan darüber nach, was ihr Leben bestimmt, was sie wirklich brauchen und was sie sehnlich vermissen“, sagt Heike Braren. Und es sei spannend zu erleben, wie unterschiedlich die Antworten ausfallen: Für einen Postboten ist es anders als für eine Pastorin, der Kreisjägermeister hat andere Gedanken als zum Beispiel ein Zugführer, eine Pflegekraft trifft die Frage anders als eine Mutter von drei Kindern.

Die kleinen Texte werden per Email versandt sowie bei Facebook und Instagramm veröffentlicht. Auf Webseite www.fastenimpulse-nf.de finden sich weitere Informationen und Subskriptionsmöglichkeiten. Die Aktion geht vom 17. Februar bis zum 5. April, die tägliche Lesezeit beträgt etwa zwanzig Sekunden. „Die Texte sind ganz unterschiedlich“, freut sich Joachim Kretschmar. „Sie erzählen manchmal von Alltagsbegebenheiten, aber auch von der Hoffnung, die die Autoren trägt.“

Was vom Krieg übrigblieb

Die Kölner Autorin Sabine Bode ist eine renommierte Expertin auf dem Gebiet seelischer Kriegsfolgen. Sie schreibt unter anderem über die Generation der Kinder der Kriegskinder des Zweiten Weltkriegs. Denn der zweite Weltkrieg hinterlässt Spuren auch in die zweite und dritte Generation hinein.

Den zwischen 1960 und 1975 Geborenen, die als Friedenskinder in den Zeiten des Wohlstands aufwuchsen, fehlte es an nichts. Doch warum haben dennoch viele von Ihnen das Gefühl, nicht genau zu wissen, wer sie sind und wohin sie wollen? Wo liegen die Ursachen für eine diffuse Angst vor der Zukunft? Weshalb bleiben so viele von ihnen kinderlos?

Bodes These ist, dass ihre tiefsitzende Verunsicherung von den Eltern und Großeltern stammt, die ihre Kriegstraumata nicht verarbeitet haben. Ist es möglich, dass eine Zeit, die über 75 Jahre zurückliegt, so stark in ihr Leben als nachgeborene Kinder hineinwirkt?

In Fallbeispielen legt Bode dar, wie die Beziehung zu ihren Eltern und das in den Familien weit verbreitete Schweigen über den Krieg diese Generation prägte.

Die Veranstaltung geht außerdem der Frage nach, ob das Schweigen über die familiären Vorkommnisse auch dazu führen könnte, dass sich rechte Gesinnungen und Tendenzen ausbreiten, womöglich wurden sie sogar, bewusst oder unbewusst, von Generation zu Generation weitergegeben?

Zunehmend werden, auch in Nordfriesland, Symbole, Sprache und geschichtliche Zusammenhänge für teils spektakuläre Aktionen genutzt, die vermuten lassen, dass vergessen oder verdrängt wurde, was diese mit dem Weltkrieg und den schrecklichen Verbrechen des Nationalsozialismus zu tun haben. Ist das nur gedankenlose Gleichgültigkeit oder Unwissenheit oder könnte es einen Zusammenhang geben zu den vielfach nicht aufgearbeiteten Familiengeschichten?

ONLINE am Montag, den 22. Februar 2021, 18:30 Uhr; Anmeldung per Mail über:   flensburg@rbt-sh.de

Die Veranstaltung wird organisiert durch den Kreisjugendring Nordfriesland, das Eiderstedter Forum, das Evangelische Regionalzentrum Westküste, die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund, den Kirchenkreis Nordfriesland, das Regionale Beratungsteam gegen Rechtsextremismus Flensburg des AWO Landesverbandes SH e.V., das Diakonische Werk Husum und Fremde brauchen Freunde e.V.